News

CMS - 1.11.9 - Bartolome
 

Als die Husaren in der Ems badeten

Die Emsschwimmbäder im 19. und 20. Jahrhundert (2. Teil aus Ströker: Geschichte(n) aus Warendorf)

Im Hintergrund die erste Flussbadeanstalt der Ems in der Nähe des Bentheimer Turmes (Aufnahme von 1895).

Wann der erste Mensch hier in dieser Gegend in der Ems gebadet hat lässt sich sicher nicht mehr feststellen. Auch nicht wer der erste Warendorfer war. Erste Hinweise auf eine Badeanstalt gehen auf das Jahr 1826 zurück als für die Eskadron des 11. Husarenregiments Geld für die Errichtung einer „Schwimmanstalt“ unterhalb, also westlich der Stadt Warendorf überwiesen wurde. Diese Badeanstalt wurde nicht nur vom Militär, sondern auch von Schülern der Höheren Bürgerschule und „mehreren Herren der Badegesellschaft“ genutzt.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde eine „Warendorfer Badeanstalt Aktien-Gesellschaft“ gegründet, die 1886 eine Badeanstalt im Osten der Stadt ober- halb des Bentheimer Turmes errichtete.

Historischer Moment: Das Bild zeigt die Frau Eugenie Haunhorst, beim ersten Spatenstich für das neue Freibad am 6. September 1957.

Diese Badeanstalt bestand aus einem großen auf Tonnen ruhendem Floß, das mit Ketten am Ufer befestigt war. Das Bassin war der Mittelpunkt der Anlage und wurde von den An- und Auskleidezellen umgeben. Durch Holzgitter drang das Wasser in das Bassin. Für Freischwimmer öffnete sich an der Ostseite ein großes Loch zur freien Ems. Es gab neben dem großen Bassin auch mehrere einzelne kleine Ein-Mann-Badekabinen. Sie lagen an der Nord- und Westseite und wurden viel genutzt. Man stieg mit einem Treppchen ins Wasser, stand auf einem Holzbrettchen und konnte auf der Stelle planschen, vielleicht sogar in die Hocke gegen und so untertauchen. So beschrieb Paula Telker, die Tochter des ersten Bademeisters Josef Telker die Badeanstalt in den Warendorfer Schriften 8/9/10. Diese Badeanstalt bestand etwa 40 Jahre. Die Badezeiten waren genau geregelt – Herren- und Damenbaden streng getrennt. Am 14. April 1926 wurde die von mir in der vorigen Folge beschriebene Flußbadeanstalt mit Nichtschwimmerbecken, Spielwiese, Umkleidekabienen und Sprungbrettern eröffnet.

Die letzte Emsbegradigung in den 60er Jahren.

Dennoch suchten vor allem jüngere Warendorfer ihr Badeparadies außerhalb des Badeanstalt in der Ems zwischen der Stadt und der „Herrlichkeit“ und hier nicht getrennt nach Geschlecht. Das muss viele Warendorfer Bürger empört haben, wie eine Leserzuschrift im „Neuer Emsbote“ aus dem Jahr 1929 beweist: „Doch zurück zum Badeparadies. Bedenken wir eins, es geht noch, hiergegen einzuschreiten. Denn der Kern unserer Warendorfer Bevölkerung ist rein und sauber. Ein Zusammenbaden von Männlein und Weiblein empfinden wir zu 99 Prozent als etwas Ungehöriges und Unschamhaftes. Und wenn trotzdem so etwas geschieht, so sind es Auswüchse unserer Gesellschaft. Vertreter einer verkehrten modernen Richtung. Wir können hiergegen doch einschreiten. Die Behörden und die Eltern! Es wäre ja lächerlich, wenn wir es soweit kommen ließen, dass uns die Jugend mit ihren verkehrten Ideen über den Kopf wüchse. Diesen Artikel unter Meinungsaustausch zu schreiben, halte ich direkt für 'dumm!' Denn ich glaube nicht, (wenigstens was Warendorfer Bürger angeht) dass da einer anderer Meinung sein könnte, als diese. Und wenn eben andere Meinungen von Leuten über 25 Jahre da sein sollten, - dann - raus damit! Ich bin gewappnet, ich habe Beweise!!“

Das Freibad am Breuelweg während des Baus. Die Aufnahme zeigt die Kachelung des Sprungbeckens, aufgenommen im Frühjahr 1959.

Bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde in der Badeanstalt und oberhalb und unterhalb von Warendorf in der Ems gebadet. Wegen zunehmender Verschmutzung und gelegentlicher Versandung war das Baden in der Ems allmählich nicht mehr zumutbar. So plante man den Bau eines Freibades. Der erste Spatenstich wurde am 6.9.1957 gemacht, und im Jahr 1959 wurde es seiner Bestimmung übergeben. Voraus gegangen waren hitzige und kontrovers geführte Debatten im Stadtrat.

Das war ein echtes Badevergnügen: Von den flachen Ufern konnten die Badenden in der Ems in Höhe der „Drei Eichen“ einfach hineinspringen in das kühle Nass.

Eine Aktion mit dem Verkauf von Bausteinkarten, die mit dem Slogan versehen waren: „Wenn wir besser baden wollen, lasst `ne halbe D-Mark rollen“ half mit an- deren Spenden bei der Finanzierung des Freibades.

Seit 1972 gibt es das Hallenbad an der Von-Ketteler-Straße im Schulviertel und seit 1978 ein zweites Hallenbad in der Sportschule der Bundeswehr.

So steht den Badefreuden der Warendorfer nichts mehr im Wege zumal auch das Baden von Männlein und Weiblein zu gleichen Zeiten und zur gleichen Stelle heute nicht mehr als „Unschamhaft“ angesehen wird.

Vorhergehende Seite: Baden und Schwimmen in Warendorf  Nächste Seite: Milch mit einem PS