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Die Schulstadt

In der Volksschulzeit nach dem Krieg war Sport nur bei gutem Wetter möglich. Entweder wurde auf dem Schulhof Völkerball gespielt, oder es musste zum Sportplatz am Schützenhof gewandert werden. In Warendorf gab es nur zwei Turnhallen (aus Ströker: Geschichte(n) aus Warendorf).

Um 1920: Schüler verlassen das Laurentianum an der Kurzen Kesselstraße, heute Stadtbücherei.

Die erste Turnhalle an einer Volksschule wurde 1957 anläßlich der Erweiterung der Overberg Schule (früher Dammschule) gebaut. Das kam für mich, der ich 1953 aus der Volksschule entlassen wurde, natürlich zu spät. Ich habe das Innere einer Turnhalle erst mit 15 Jahren kennen gelernt, als ich Handelsschüler in Münster war.

Die Josefsschule 1955, gesehen vom Turm der Josefskirche. Die mit Hecken gesäumte Stiege ist die Holtrupstraße.

In meiner Volksschulzeit war Sport nur bei gutem Wetter möglich. Entweder wurde auf dem Schulhof Völkerball gespielt, oder es musste in Zweierreihen zum Sportplatz am Schützenhof gewandert werden. In Warendorf gab es zu der Zeit nur zwei Turnhallen und zwar am Gymnasium Laurentianum und am Gymnasium für Mädchen der Marienschule. Letzteres kam ja für mich nicht in Frage, an der Marienschule wurden nur Mädchen unterrichtet, aber auch das Laurentianum konnte ich nicht besuchen, da meine Eltern das da noch erforderliche Schulgeld nicht bezahlen konnten. Zu der Zeit hätte ich auch nicht gewusst in welche alte und ehrwürdige Schule ich gekommen wäre. Die Geschichte der Schule geht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Sie wurde als Lateinschule der Stadt Warendorf gegründet, wurde viele Jahre und Jahrzehnte von den Franziskaner Patres geführt und bekam in den Jahren 1828-1830 an der Kurzen Kessel Straße. einen Neubau in dem sich jetzt u. a. die Bücherei und der Sophiensaal befindet. Da die Stadt Warendorf mit dem Neubau ihre Finanzen fast ruinierte gab es mit dem Argument die Schule habe mehr Fenster als Schüler heftige Proteste gegen den Bau der Schule. Rund 100 Jahre war nun dieses Gebäude die Heimat des Gymnasiums Laurentianums. Im Jahre 1928 erfolgte nach Renovierung und Umgestaltung der Umzug in das Gebäude des ehemaligen Lehrerseminars an der Freckenhorster Straße. Das Gebäude des Lehrerseminars wurde in den Jahren 1878-1882 erbaut. Das Haus beherbergte neben den Lehr- und Übungsräumen auch Schlafräume für ca. 90 Seminaristen sowie Wohnräume für den Seminardirektor und einzelnen Seminarlehrern. 1925 wurde das Seminar geschlossen.

Die ehemalige Bockholtschule in Neuwarendorf heißt heute Heinrich-Tellen-Schule

Nachdem nun das Gebäude an der Kurzen Kessel Straße frei geworden war, konnte hier das Lyzeum (Marienschule) einziehen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wuchs das Interesse an einer guten Ausbildung der Mädchen. Es wurden verschiedene Anläufe zur Bildung einer „Höheren Töchterschule“ gemacht. Vor dem Umzug zur Kurzen Kessel Straße war das Lyzeum von 1908 bis 1928 im Haus Lilienstraße Nr. 2/4 untergebracht. Dieses Haus war 1820-1824 als Mädchenschule errichtet worden. Seit 1968 kommt nun der Begriff Volksschulen nicht mehr vor. Wir unterscheiden nun Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien.

Als unter ältester Sohn im Jahre 1979 die Grundschule verließ, gab es gegenüber meiner Kindheit eine relativ schwierige Entscheidung. Es gab nun folgende Schulen zur Auswahl: Hauptschule, Städtische Realschule, Bischöfliche Realschule (Johann-Heinrich-Schmülling-Schule), Gymnasium Laurentianum, Augustin-Wibbelt-Gymnasium und Mariengymnasium (das inzwischen auch Jungen unterrichtete). Für welche Schule wir uns entschieden, ist in diesem Zusammenhang nicht wichtig. Nur das alle die genannten Schulen inzwischen neue Häuser bezogen hatten, mit Sporthallen, oder sogar Doppelsporthallen, mit Sportplätzen, Pausenhallen, besondere Klassenzimmer für bestimmte Fächer, Fahrradkeller und sogar Parkplätze für Autos muss doch noch erwähnt werden. Vor den Schulen sind Bushalteplätze erstellt. Hier können die Schüler ein- und aussteigen, die längere Wege zur Schule haben.

Das Lehrerseminar wurde ab 1928 für das Gymnasium Laurentianum genutzt. Heute ist hier die Volkshochschule untergebracht.

Aber noch habe ich bei Weitem nicht alle Schulen und Schulformen genannt, die es in Warendorf gibt oder gab.

Da ist zunächst die Franziskusschule – Sonderschule für Lernbedinderte. Man begann 1962 mit einem Klassenraum und mit 18 Kinder in der Schule an der Klosterstraße. 1964 bezog man das Gebäude am Münsterwall (siehe Pferdestall) nach dem die evangelische Schule, die bis dahin das Gebäude genutzt hatte, in ihren Neubau an der Königsberger Straße eingezogen war.

Die ehemalige Bockholtschule in Neuwarendorf an der Straße nach Everswinkel wird nach entsprechendem Ausbau in den Jahren 1981/1983 Sonderschule für geistig Behinderte – Heinrich-Tellen-Schule – genutzt.

Im April 1954 wurde die Südschule eingeweiht, heute firmiert sie unter dem Namen Laurentiusschule.

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts gab es Bemühungen in einer Sonntagsschule den Handwerkslehrlingen und -gesellen in Zeichnen, Rechnen und Schreiben zu unterrichten. Den Anfang machte der Priester Anton Brinkmann, Lehrer an der Höheren Töchterschule. Später beteiligten sich Kollegen und Elementarschullehrer. Den ersten eigenen Bau bezog man 1936 an der Düsternstraße, der in den Jahren 1955 und 1961 erweitert wurde. 1982 wurde ein Neubau an der von-Ketteler-Str. erstellt.

1950 gründete der Ingenieur Gustav Fischer in der alten Remontekaserne die „Deutsche Lehranstalt für Agrartechnik“, die später in den Jahren 1952-1956 eigene Gebäude an der Tönneburg errichtete. Nach etlichen Aus- und Umbauten wurde daraus im Jahre 1992 die jetzige „DEULA Westfalen-Lippe GmbH). Wenn auch die Aufzählung aller Schulen vielleicht noch Lücken aufweist, so möchte ich doch noch auf einige Schulen hinweisen, die es in Warendorf gab aber heute nicht mehr bestehen:

  1. Postfachschule von Joseph Klostermann (von Ende 1891 bis Ende 1893 im ehemaligen bischöflichen Amts- und Mühlenhof)
  2. Die Landwirtschaftsschule bzw. Höhere Landbauschule (gegründet 1882 in Freckenhorst – 1934 Umzug nach Warendorf – 1953 Einzug in das Gebäude der ehemaligen Missionsschule der Franziskaner – ab 1987 in das Gebäude der Kreisberufsschule - 1997 geschlossen)
  3. Die Landesfeuerwehrschule (1946 bis 1960 auf dem Gelände der ehemaligen Reit- und Fahrschule der Wehrmacht.)
  4. Missionskolleg der Franziskaner (in dem 1931 vom Staat gekauften Gebäude Klosterstraße Nr. 6 richtete der Orden eine „Missionsschule“ ein, die mit einer Unterbrechung in den Kriegsjahren bis 1951 bestand)
  5. In den 50 Jahren gab es eine private Handelsschule (Funnemann-Schule) in Warendorf, die ihr Domizil in einem Gebäude im Garten des Hauses Klosterstraße Nr. 3 hatte