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Die Altstadtfreunde zur Emsinsel

Ob man die auf der Emsinsel geplanten und auf die Dauer auch wohl notwendigen Baumaßnahmen begrüßt oder befürchtet, sei zunächst dahin gestellt. Sie stellen auf jeden Fall den größten, vielleicht mutigsten, mit Sicherheit aber den riskantesten  Eingriff in das Stadtgefüge dar, den Warendorf jemals erlebt hat. Zugleich ist dies die letzte Chance, in unmittelbarer Altstadtnähe Zukunft zu gestalten.

In den letzten Jahrzehnten wurden in Warendorf nach und nach sämtliche historischen Fabriken, wie Oberstadt, Wiemann & Bisping, Hagedorn -  am ersten Standort -, Petermann und andere, abgeräumt. Es handelte sich dabei in den locker bebauten Außenbezirken durchweg relativ kleine Werksgelände von 1 bis 2 ha, die dann nahezu spurlos in neuen Wohnquartieren aufgingen.

Mit der Emsinsel - dem Textilwerk Brinkhaus - ergibt sich eine unvergleichbar neue Situation. Das 4,5 ha umfassende Betriebsgelände grenzt unmittelbar an Ems und historische Altstadt und schmiegt sich nachgerade in den ovalen Stadtumriss ein. Überdies hat die seinerzeit vom Landschaftsverband geleitete Planungswerkstatt festgestellt, dass sich das hier überbaute Gelände wie ein Pfropf in die zentrale Grünzone legt und das Erholungsgebiet in den westlichen und den östlichen Teil der Emsaue teilt.

Damit hat alles, was auf diesem Areal geplant und gebaut werden soll, unmittelbare Folgen für die benachbarte Altstadt und – dank der zentralen Lage – auch unmittelbare Konsequenzen für die Gesamtstadt. Hieraus folgt zwangsläufig, dass nur äußerste Behutsamkeit und Sorgfalt in Planung und Bauausführung auf der Emsinsel zu einem für Warendorf und seine Bewohner guten Ziel führen kann.

Nun liegen bekanntermaßen drei Planungsentwürfe vor. Abgesehen von der vom Auslober vorgegebenen Nutzungs- und Bebauungsdichte kann man vorab keine generelle Stellungnahme für oder gegen einen der drei abgeben, dafür sind die jeweiligen Vor- und Nachteile zu sehr im Detail versteckt und nur nach eingehender Prüfung zu erkennen.

Schwerer wiegt jedoch die  viel zu hoch angesetzte Baudichte, die dreimal so hoch ist wie die vergleichbarer Wohnviertel in der Stadt. In Verbindung mit der geplanten hohen gewerblichen Nutzungsdichte tritt dieses Baugebiet nach der vorliegenden Planung in einen Verdrängungs-wettbewerb mit der historischen Altstadt, den jene nur verlieren kann. Eine Realisierung nach diesen Vorgaben hat für Warendorf verheerende Folgen. Das ist zu begründen.

  1. Durch die vorgesehene großmaßstäbliche Bebauung an der Straße Zwischen den Emsbrücken wird das Stadtbild am wichtigsten Stadteingang negativ beeinflusst. Schon die Erhaltung der bestehenden Bauten ist da ein Schritt zur Lösung dieses Problems.
  2. Die für die Emsinsel geplante Grundversorgung muss aus betriebswirtschaftlichen Gründen so groß ausgelegt werden, dass sie einen weit über die Emsinsel hinausreichenden Bereich versorgt und damit den in der Altstadt vorhandenen, nur 250 m entfernten Supermarkt und die Grundversorgung sämtlicher Altstadtbewohner aufs Höchste gefährdet, weil alle weiteren Grundversorgungszentren außerhalb der Altstadt liegen. Hier sind noch erhebliche Untersuchungen und differenzierte Planungen notwendig.
  3. Die Vergrößerung des Wohnungsangebotes auf der Emsinsel in dieser Lage und in diesem Ausmaß verschlechtert die Vermietbarkeit von Objekten im Altstadtbereich und vermindert die Chancen von Investitionen und Erneuerung erheblich. Der schleichende Abstieg der Altstadt droht und beginnt schon an einigen Stellen. Damit steht die Frage im Raum, ob es tatsächlich gewünscht ist, dass die Emsinsel der Altstadt Bewohner und Nutzer entzieht und sie  dadurch letzten Endes dem Verfall preisgibt. Dies zu verhindern ist das dringendste Problem.

Die vom Heimatverein und Altstadtfreunden initiierte Bestandsaufnahme und Ideenwerkstatt dienen vor allem dem Zweck, schöpferische Kräfte zu wecken und zu bündeln, damit sich nicht aus Emsinsel und Altstadt zwei sich auf Dauer selbst zerstörende Gegensätze, sondern eine städtebauliche Einheit entwickelt. Behutsame Erneuerungen in der Altstadt in Hinsicht auf Wohnlichkeit, Energieeffizienz und Stadtbildpflege gehören in dieser Situation zu dem einzigen Weg, unsere Stadt dauerhaft und lebenswert zu erhalten.