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Milch mit einem PS

Es gab mal Zeiten, als Milch und Brötchen noch direkt zum Kunden kamen. Ein Service, der heute weitgehend ausgestorben ist. Das ist bedauerlich (Aus Ströker: Geschichte(n) aus Warendorf).

August Siebe betrieb eine Ladengeschäft an der alten Schulstraße 6. Von hier aus, machte er sich täglich mit dem Pferdefuhrwerk auf den Weg zu seinen Kunden.

„Nimm die Düppe“ sagte meine Mutter „und stell dich anne Straße“. Die Düppe war eine weiß emaillierte Milchkanne, an der an vielen Stellen die Emaille abgestoßen war und die somit mit vielen unansehnlichen schwarzen Flächen übersät war. Die Straße war die Dreibrückenstraße, die damals noch Osnabrücker Straße hieß. Der sich anne Straße stellen sollte, der war natürlich ich und der Grund dazu war August Siebe. Eigentlich nicht er persönlich, sondern das was er auf seinem Wagen hatte, nämlich frische Milch, Käse und noch einige andere Lebensmittel aus seinem Ladengeschäft, das an der Schulstraße Nr. 6 lag. Von hier aus, machte er sich täglich auf dem Weg zu seinen Kunden. Wir wohnten zu der Zeit auf der Holtrupstraße Nr. 8 und die Holtrupstraße war eine enge, schmale und unbefestigte Sackgasse und ein weiteres Haus gab es auch nicht in unserer Straße. Somit kam August Siebe auch nicht mit Pferd und Wagen zu uns, sondern ich mit der Düppe zu ihm, zur Osnabrücker Straße. Was ich, außer der Düppe noch mit bekam, war Geld, Milchmarken (in der Kriegs- und Nachkriegszeit waren für den Kauf von allen Lebensmitteln entsprechende Marken nötig, die erst am 31. Mai 1950 endgültig abgeschafft wurden) und die Mahnung genau auf zu passen, das Herr Siebe auch das Litermaß mit dem er die Milch aus seiner großen Kanne nahm auch ganz entleerte, wenn er sie in unsere Düppe einfüllte.

 

So kaufte man früher ein: Das Lebensmittel- und Milchgeschäft von Heinrich Feidieker.

August Siebe war natürlich nicht der einzige in Warendorf der Milch und Milchprodukte an seine Stammkunden auslieferte. Ich erinnere mich noch an die Firma Heinrich Feidieker von der Oststraße und an Bernhard Feidieker der in Velsen Nr. 40 zu Hause war. Es gab sicher noch mehr Auslieferer und jeder hatte seinen festen Bezirk. Die Feidiekers hatten sich jedoch schon frühzeitig in den Jahren 1948/1950 von einem echten PS auf mehrere mechanische PS umgestellt.

Frische Brötchen, Brot und Kuchen brachten die Bäcker, da waren die Firmen Uthmann von der Oststraße, Stanlein von der Münsterstraße und Hasenklever von der Brinkstraße und noch andere mehr. Während der Bäcker Hasenklever, wie zu sehen, schon frühzeitig ein Auto als Auslieferungsfahrzeug besaß, brachten die anderen noch mit einem echten PS ihre Waren an den Mann, bzw. zum Kunden. Mit der Auslieferung der Backwaren liefen auch die Neuigkeiten mit, von Haus zu Haus und von Straße zu Straße. Es liegt in der Natur der Sache, dass sie sich dabei vermehrten von Haus zu Haus und von Straße zu Straße.

Nachdem nun der Kuchen gekauft, -„Ferdi (Uthmann), hasste nich noch ein Stück von gestern zu halben Preis?“- der Kaffee mit frischer Milch auf dem Tisch stand, konnte nun beides, Kuchen und Neuigkeiten verdaut werden.

 

Mit einem PS zu den Kunden: Das Auslieferungsfahrzeug der Dampfbäckerei Stanlein.

Noch einen dürfen wir nicht vergessen, das war Ferdinand Baggeroer (genannt Fennand) von der Dreibrückenstraße, die früher noch Osnabrücker Straße hieß. Fennand fuhr täglich mit Pferd und Planwagen mit einigen Lebensmitteln aus seinem Ladengeschäft zwischen die Bauern. Hier verkaufte er Backpulver, Zucker und Salz und kaufte von den Bauern frische Eier, die in seinem Geschäft, und an Großhändler verkauft wurden. Wenn er von der langen Fahrt und vom vielen handeln müde geworden war, schlief er auf dem Rückweg auch schon mal auf seinem Wagen ein. Für das Pferd war das kein Problem. Es fand immer wieder zu seinem Stall zurück.

 

Das Auslieferungsfahrzeug von August Siebe auf der Kirchstraße.

So wurden zu der Zeit mit einer Pferdestärke Milch, Butter, Käse und andere Milchprodukte, sowie Brot, Brötchen und Kuchen, Eier, Lebensmittel und noch vieles andere mehr zu Kunden gebracht und vom Kunden geholt.

Heute braucht jeder der drei Brötchen holt 150 PS und wir wundern uns über Luftverschmutzung, Parkprobleme, Dreck und Gestank Die einzige Verschmutzung, die es bei dem Transport zu früheren Zeiten gab, waren einige Pferdeäpfel, die jedoch aufgesammelt wurden und im Garten zur Düngung zwischen die Erdbeerpflanzen gelegt wurden.