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Standesamt mit eigenem Tresor

Verwaltungsgeschichte(n): Ständiger Gebäudetausch zwischen Stadtverwaltung, Sparkasse und Landratsamt (aus Ströker: Geschichten aus Warendorf)

Von 1968 bis 1987 residierte die Stadtverwaltung an der Lüninger Straße/Hohe Straße in einem Gebäude, das früher das Josephs-Hospital beherbergt hatte.

Als ehemaliger Bänker weiß ich, dass die Tresore der Banken im Keller sind, meistens jedenfalls. Aber 1902 beim Neubau der Kreissparkasse Warendorf ging man einen anderen Weg, der Tresor wurde zu ebener Erde, also parterre eingebaut. Und da sich das Standesamt der Stadt Warendorf im Erdgeschoss des alten Backsteinhauses der Stadtverwaltung an der Langen Kessel Straße befindet, sitzen die Bediensteten dieses Amtes jetzt neben dem Tresor der alten Kreissparkasse Warendorf.

Ein Bild aus dem Jahr 1905: Es zeigt die Lange Kesselstraße mit Blick auf das Laurentianum (heute Stadtbücherei), rechts die Kreissparkasse.

Aber wir sollten die Geschichte von Anfang an erzählen. Sie beginnt schon 1838 mit der Gründung der Stadtsparkasse Warendorf, deren Sinn es war breiten Schichten der Bevölkerung eine Möglichkeit zu bieten, aus eigenem Antrieb Ersparnisse sicher anzulegen. Das erste Geschäftslokal war im Franziskanerkloster. Im Mai 1842 siedelte die Sparkasse in das Rathaus am Markt über. Dort blieb sie mit einer Unterbrechung bis zum Jahr 1932.
Da wiederholt die Annahme von Spargeldern aus den umliegenden Gemeinden abgelehnt wurde, weil es dafür in Warendorf keine Gegenanlagen gab, kam es am 1. Mai 1866 zur Gründung der Kreissparkasse Warendorf. Der erste Rendant war der Kreissekretär Blöbaum. In seiner Wohnung an der Freckenhorster Straße waren auch die Geschäftsräume eingerichtet.

Ein Blick auf die Stadtverwaltung: Dieses Luftbild zeigt die Rückseite der Gebäude, aber auch sehr schön die Münsterstraße bevor 1969 die Sparkasse hier einen Neubau bezog.

Schon bald wurden diese Räume zu klein und die Kreissparkasse baute 1902 ein neues, ein eigenes Haus mit Geschäftslokal neben der Kreisverwaltung (die damals noch Landratsamt hieß) an der Langen Kessel Straße. Es musste dafür ein Haus abgebrochen werden, in dem u. a. der letzte Kutscher des Landrats Freiherr von Wrede wohnte. Auf dem nächsten Bild ist links das Haus der Kreisverwaltung und daneben (roter Backstein) das neue Haus der Kreissparkasse zu sehen. Globalisierung ist zwar ein neues Wort, aber solche Bestrebungen gab es auch schon früher und sie wurden auch schon durchgeführt. Im Jahr 1932 vereinigte man die Stadtsparkasse Warendorf und die Kreissparkasse Warendorf zur Kreis- und Stadtsparkasse Warendorf.

Die Schalterhalle der Kreis- und Stadtsparkasse an der Freckenhorster Straße, moderne Sachlichkeit aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Es wurde das an der Ecke Freckenhorster Straße/In den Lampen stehende Haus vom Schuhmacher Eselgrim gekauft und zusammen mit einem kleinen Nachbarhaus abgerissen. Nun wurde, ein für damalige Zeiten, repräsentativer Neubau erstellt. Da zu dieser Zeit kurz nach der großen Inflation das Geld noch sehr knapp war, ging der Satz um „Jetzt ne Sparkasse baun, do kann man jüsso guod in ne Hungersnot een Schiethues baun.“ Ein Bild von der Kassenhalle der neuen Sparkasse ist ebenfalls beigefügt.

Die Kreis- und Stadtsparkasse an der Freckenhorster Straße. Hier wurde ab 1932 das Geld der Bürger verwaltet und angelegt.

Später im Januar 1962 wurde das Haus Freckenhorster Straße 21 abgerissen und ein Parkplatz für die Kunden der Sparkasse gebaut. Nachdem nun im Jahre 1932 die Beamten und Angestellten der jetzt vereinigten Kreis- und Stadtsparkasse in ihr neues Verwaltungsgebäude an der Freckenhorster Straße 25 eingezogen waren, konnte die Stadtverwaltung das gesamte Rathaus nutzen und die Kreisverwaltung übernahm die Büroräume der Kreissparkasse. Das blieb dann bis nach dem Krieg so.

Die Lange Kesselstraße um das Jahr 1913. Links das Landratsamt (mit der Treppe), rechts daneben die Kreissparkasse. Heute wird das Gebäude von der Stadtverwaltung Warendorf genutzt.

Später errichtete die Kreisverwaltung einen Erweiterungsbau an der Langen Kessel Straße. (das Luftbild zeigt die Rückseite, aber auch sehr schön die Münsterstraße bevor 1969 die Sparkasse hier wiederum einen Neubau bezog)
Auch der Stadtverwaltung wurde das alte Rathaus am Markt zu eng und so übernahm sie 1968 vom alten Krankenhaus an der Lüninger Straße einen im Jahr 1955 gebauten Flügel für ihre Verwaltung. Alle anderen Gebäudeteile des Krankenhauses wurden abgerissen.

Diese Haus an der Langen Kesselstraße wurde für den Neubau der Kreissparkasse abgebrochen. Hier lebte der Kutscher des damaligen Landrats Freiherr von Wrede.